Schichtpressstoffe nach DIN EN 45545-2
Brandschutzkonforme Laminatwerkstoffe für den Schienenfahrzeugbau
Im modernen Schienenfahrzeugbau gelten besonders hohe Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Werkstoffe im Innenraum und in technischen Baugruppen müssen nicht nur mechanisch belastbar und elektrisch isolierend sein, sondern auch strenge Vorgaben hinsichtlich Entflammbarkeit, Rauchentwicklung und Toxizität erfüllen.
Die maßgebliche Norm hierfür ist die DIN EN 45545-2, die brandschutztechnische Anforderungen an Materialien und Komponenten in Schienenfahrzeugen definiert.
Schichtpressstoffe – insbesondere glasfaserverstärkte Laminatwerkstoffe auf Phenol- oder Epoxidharzbasis – haben sich als leistungsfähige und normkonforme Konstruktionswerkstoffe etabliert.
DIN EN 45545-2 – Anforderungen an Materialien im Bahnsektor
Die DIN EN 45545-2 klassifiziert Werkstoffe nach sogenannten Anforderungssets (R-Sets), beispielsweise:
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R1 – Innenverkleidungen
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R7 – Wand- und Deckenbereiche
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R17 – technische Bauteile
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R22 / R23 – elektrische Baugruppen
Zusätzlich werden Gefährdungsstufen (Hazard Levels, HL1–HL3) definiert.
HL3 stellt dabei die höchste Anforderungsklasse dar und ist für Fahrzeuge mit erhöhtem Gefährdungspotenzial vorgesehen.
Die Bewertung erfolgt auf Basis definierter Prüfverfahren hinsichtlich:
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Wärmefreisetzungsrate
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Rauchgasdichte
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Rauchgastoxizität
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Entflammbarkeit
Für Konstrukteure bedeutet dies: Werkstoffe müssen sowohl mechanisch geeignet als auch normativ abgesichert sein.
Aufbau und Eigenschaften von Schichtpressstoffen
Schichtpressstoffe bestehen aus mehreren Lagen von Verstärkungsmaterial (z. B. Glasgewebe), die mit duroplastischen Harzen imprägniert und unter Druck und Temperatur verpresst werden.
Je nach Harzsystem entstehen unterschiedliche Eigenschaftsprofile:
Phenolharzbasierte Schichtpressstoffe
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Sehr gutes Brandverhalten
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Geringe Rauchentwicklung
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Gute mechanische Eigenschaften
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Typische Temperaturklasse: B (130 °C)
Epoxidharzbasierte Schichtpressstoffe
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Sehr hohe mechanische Festigkeit
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Hohe Kriechstromfestigkeit
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Gute Dimensionsstabilität
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Temperaturklassen bis H (180 °C) möglich
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Flammwidrige Ausrüstungen verfügbar
Durch die Glasgewebeverstärkung weisen diese Materialien eine hohe Biege- und Zugfestigkeit sowie ausgezeichnete elektrische Isolationseigenschaften auf.
Typische Anwendungen im Schienenfahrzeugbau
Schichtpressstoffe nach DIN EN 45545-2 werden unter anderem eingesetzt in:
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Innenverkleidungen
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Träger- und Montageplatten
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Schaltschrank- und Steuerungstechnik
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Elektrisch isolierenden Baugruppen
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Abdeckungen und Frontverkleidungen
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Niederspannungsanwendungen
Insbesondere im Bereich elektrischer Systeme sind hohe Kriechstromfestigkeit, thermische Stabilität und mechanische Belastbarkeit entscheidende Auswahlkriterien.
Auswahlkriterien für EN 45545-konforme Materialien
Bei der Werkstoffauswahl sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
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Erforderliches Anforderungsset (R-Nummer)
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Gefährdungsstufe HL1–HL3
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Temperaturklasse (z. B. B oder H)
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Mechanische Belastung
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Elektrische Isolationsanforderungen
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Bauteildicke (normabhängige Klassifizierung)
Wichtig ist, dass die Klassifizierung häufig dickeabhängig erfolgt und projektspezifisch geprüft werden muss.
Schichtpressstoffe als wirtschaftliche Konstruktionslösung
Neben der Normkonformität bieten Schichtpressstoffe weitere Vorteile:
✔ Hohe mechanische Stabilität bei vergleichsweise geringem Gewicht
✔ Gute Zerspanbarkeit und CNC-Bearbeitbarkeit
✔ Maßhaltigkeit
✔ Geringe Wasseraufnahme
✔ Langfristige Materialstabilität
Damit stellen sie eine wirtschaftliche und technisch bewährte Lösung für den Bahnsektor dar.
Kompetenz in Materialauswahl und Verarbeitung
Die Dr. Dietrich Müller GmbH unterstützt Kunden bei:
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Auswahl geeigneter EN 45545-2 konformer Werkstoffe
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Technischer Beratung für Bahnprojekte
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Zuschnitt und mechanischer Bearbeitung
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Serien- und Sonderfertigung nach Zeichnung
Durch die Kombination aus Materialkompetenz und Verarbeitungstechnologie entstehen maßgeschneiderte Lösungen für Anwendungen im Schienenfahrzeugbau.