DIN EN 45545-2 – Brandschutzanforderungen für Materialien im Schienenfahrzeugbau

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DIN EN 45545-2 – Brandschutzanforderungen für Materialien im Schienenfahrzeugbau

Harmonisiertes Brandschutzniveau für Europa

Mit der Einführung der DIN EN 45545 wurde ein europaweit harmonisiertes Brandschutzkonzept für Schienenfahrzeuge geschaffen. Die Norm ersetzt frühere nationale Regelwerke wie:

  • DIN 5510
  • BS 6853
  • NF F 16-101

Seit 2016 müssen alle neu gebauten Schienenfahrzeuge innerhalb der EU die Anforderungen der EN 45545 erfüllen.

Teil 2 der Norm – DIN EN 45545-2 – definiert die Anforderungen an das Brandverhalten von Materialien und Komponenten, die im Fahrzeug verbaut werden.

Ziel der Norm: Begrenzung von Brandentwicklung und Rauch

Die grundlegende Zielsetzung besteht darin, im Brandfall:

  • die Brandentwicklung zu begrenzen
  • die Rauchentwicklung zu minimieren
  • toxische Gase zu reduzieren
  • eine sichere Evakuierung von Passagieren und Personal zu ermöglichen

Die Norm betrifft nahezu alle Bauteile über 100 g Masse

– vom Innenverkleidungselement bis zur Dichtung oder elektrischen Isolierkomponente.

Das Brandverhalten von Materialien – „FIRST“-Prinzip

Für elastomere und polymerbasierte Werkstoffe wird das Brandverhalten nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Flammability – Entflammbarkeit
  • Ignitability – Zündbarkeit
  • Rate of Heat Release – Wärmefreisetzungsrate
  • Smoke – Rauchentwicklung
  • Toxicity – Rauchgastoxizität

Diese Parameter bestimmen maßgeblich, ob ein Werkstoff für den Einsatz im Bahnsektor geeignet ist.

Anforderungssets (R1–R26)

DIN EN 45545-2 klassifiziert Produkte in sogenannte Requirement Sets (R-Sets). Insgesamt existieren 26 Kategorien, abhängig vom Einsatzort des Materials (Innen- oder Außenbereich, technische Funktion etc.).

Beispiele für Anwendungsbereiche sind:

  • Innenverkleidungen
  • Bodenbeläge
  • Dichtungen und Schläuche
  • Isolationsbauteile
  • Schwingungsdämpfer
  • Elektrische Baugruppen

Jedes Anforderungsset definiert konkrete Prüfmethoden und Grenzwerte.

Hazard Levels HL1–HL3

Zusätzlich werden Materialien je nach Betriebs- und Einsatzbedingungen des Fahrzeugs in drei Gefährdungsstufen eingeteilt:

  • HL1 – geringste Anforderung
  • HL2 – mittlere Anforderung
  • HL3 – höchste Anforderung

Die Einstufung hängt unter anderem ab von:

  • Tunnelanteil der Strecke
  • Evakuierungsmöglichkeiten
  • Fahrzeugtyp (z. B. Doppelstock)
  • Automatisierungsgrad
  • Vorhandensein von Schlafabteilen

Je höher das Gefährdungspotenzial, desto strenger sind die Materialanforderungen.

Prüfverfahren gemäß EN 45545-2

Zur Bewertung des Brandverhaltens werden definierte Prüfmethoden herangezogen:

  • EN ISO 4589-2 – Bestimmung des Sauerstoffindex
  • EN ISO 5659-2 – Bestimmung der optischen Rauchdichte
  • EN 17084 – Bestimmung der Rauchgastoxizität

Diese Prüfungen simulieren reale Brandbedingungen und liefern reproduzierbare Kennwerte zur Klassifizierung.

Technische Herausforderungen bei polymeren Werkstoffen

Die Umsetzung der EN 45545-2 stellt hohe Anforderungen an Materialentwickler:

Werkstoffe müssen gleichzeitig:

  • flammwidrig sein
  • geringe Rauchentwicklung zeigen
  • niedrige Toxizität aufweisen
  • hohe mechanische Festigkeit besitzen
  • temperaturbeständig sein
  • wirtschaftlich bleiben

Jedoch können flammhemmende Füllstoffe mechanische Eigenschaften beeinflussen.
Die Werkstoffauswahl erfordert daher fundierte Materialkompetenz und anwendungsspezifische Optimierung.

Bedeutung für Konstrukteure und Einkäufer

Für Entwicklungsingenieure ergibt sich ein klar strukturierter Auswahlprozess:

  1. Bestimmung des relevanten Anforderungssets (R-Nummer)
  2. Festlegung des Hazard Levels (HL1–HL3)
  3. Auswahl eines geeigneten Werkstoffs mit geprüfter Klassifizierung
  4. Sicherstellung der anwendungsspezifischen mechanischen und elektrischen Eigenschaften

Eine enge Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Werkstoff- und Verarbeitungspartner reduziert Entwicklungsrisiken erheblich.

Werkstoffkompetenz der Dr. Dietrich Müller GmbH

Die Dr. Dietrich Müller GmbH unterstützt Kunden im Bahnsektor mit:

  • EN 45545-2 konformen Schichtpressstoffen
  • Elastomeren und Dichtungsmaterialien
  • Elektrischen Isolierwerkstoffen
  • Wärmeleitprodukten
  • Technischen Folien

Neben der Materialauswahl bietet das Unternehmen:

  • Zuschnitt und CNC-Bearbeitung
  • kundenspezifische Fertigung
  • technische Beratung
  • Unterstützung bei Normauslegung und Projektanforderungen

Zusammenfassung

DIN EN 45545-2 ist heute der zentrale Maßstab für Brandschutz im europäischen Schienenfahrzeugbau.

Die Norm stellt sicher, dass Materialien hinsichtlich Entflammbarkeit, Rauchentwicklung und Toxizität geprüft und klassifiziert sind – mit dem Ziel, im Brandfall Leben zu schützen und Sachschäden zu begrenzen.

Mit fundierter Werkstoffkompetenz und normkonformen Lösungen trägt die Dr. Dietrich Müller GmbH dazu bei, sichere und leistungsfähige Systeme im Bahnsektor zu realisieren.

Schauen Sie sich auch unsere Artikel zu Elastomeren und Schichtpressstoffen nach DIN EN 45545-2 an.

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